Verringerung der Stoffeinträge - Verunreinigungen an Fließgewässern beheben und vermeiden
Kommunale Abwasserentsorgung
Um in Bayern die gute Wasserqualität zu erhalten, müssen Abwässer nach dem Stand der Technik weitgehend gereinigt sowie Schadstoffquellen frühzeitig erkannt und beseitigt werden. Jährlich werden etwa 1,6 Milliarden Kubikmeter Abwasser beseitigt. Diese riesige Menge - dies entspricht dem Inhalt des Chiemsees - darf nur gereinigt dem sensiblen Wasserkreislauf zugeführt werden. Dafür sorgen rund 2900 kommunale und rund 1500 betriebliche Kläranlagen.
Die Reinigungsleistung der Kläranlagen - als Folge auch die Gewässerqualität - hat sich in den letzten Jahren weiter verbessert. Inzwischen sind 95 Prozent der Einwohner Bayerns an Kommunale Anlagen angeschlossen. Langfristig soll das Abwasser von 96 Prozent der Einwohner Bayerns zentral entsorgt werden.
Das Abwasser der restlichen 4 Prozent (rund eine halbe Mio. Einwohner) wird auf Dauer in mechanisch-biologischen Kleinkläranlagen gereinigt.
Wartung, Erhalt und Sanierung bestehender Abwasseranlagen garantieren die hohe Reinigungsleistung. Sie könnte über das jetzige Niveau hinaus gesteigert werden:
- Nachrüstung bestehender Abwasseranlagen zur gezielten Nährstoffentlastung der Gewässer,
- Entwicklung und Einführung neuer Technologien und Verfahren,
- Abwassertechnische Maßnahmen, um in bestimmten Gewässern Qualitäten zu erreichen wie z. b. Badegewässerqualität an der Isar oder Maßnahmen zum Schutz von Perlmuschel-Gewässern.
Nur eine ausreichend dimensionierte und dichte Kanalisation garantiert, dass unsere Abwässer vollständig, hygienisch und umweltschonend entsorgt werden können. Dabei sollte nur solches Wasser in die Kanalisation fließen, das wirklich behandlungsbedürftig ist.
Kaum verschmutztes Regenwasser versickert sinnvoller direkt an Ort und Stelle oder wird über Gräben und Kanäle ins nächste Gewässer geleitet.
Abwasserentsorgung in Industrie und Gewerbe
Die Schadstoffe, die in Industrie und Gewerbebetrieben anfallen, erfordern oft spezifische und umfangreiche Abwasserbehandlungsverfahren. Neben den biologischen Systemen existieren physikalische und auch chemische Verfahren. In der Abwasserverordnung werden derzeit für mehr als 50 verschiedene Gewerbe- und Industriebranchen Anforderungen nach "dem Stand der Technik" erhoben.
Industrie und Gewerbe setzen immer stärker auf Maßnahmen des produktionsintegrierten Umweltschutzes. Statt am Ende mühsam Schadstoffe vom Abwasser zu trennen, soll die Verschmutzung bereits am Entstehungsort vermieden werden.
Diffuse Stoffeinträge verringern
Neuere Bilanzierungen für Stickstoff und Phosphor ergaben, dass durch die Fortschritte bei der Abwasserreinigung einerseits und durch die Produktionssteigerung im Bereich der Landwirtschaft andererseits der relative Anteil der Belastung der Oberflächengewässer aus diffusen Quellen zugenommen hat.
Eine gewässerschonende Landbewirtschaftung ist daher noch mehr als bisher angezeigt.
Ein weiteres Einsparpotenzial besteht bei der Düngung und eine reduzierte Bodenbearbeitung bei verringerten Bodenabträgen kommt nicht nur dem Bodenschutz sondern auch dem Gewässerschutz zugute.
Geschlossene Stoffkreisläufe des ökologischen Landbaus sowie der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel bieten ideale Vorraussetzungen für den Gewässerschutz.
Maßnahmen einer gewässerschonenden Landbewirtschaftung in den Bereichen Bewirtschaftung, Düngung, Fütterung, und Technik werden derzeit zwischen Landwirtschafts- und Wasserwirtschaftsverwaltung diskutiert und abgestimmt. Insbesondere die ständige Aus-, Fortbildung und Beratung der Landwirte tragen dazu bei, in der Landwirtschaft eine umweltgerechte Bewirtschaftung sicherzustellen.
Gewässerschutz an Seen
Stehende natürliche oder künstliche Gewässer sind überaus empfindlich.
Bayern hat die Probleme an Seen frühzeitig erkannt. Seit fast 50 Jahren werden hier Maßnahmen zur Reinhaltung der Seen entwickelt und umgesetzt, um
- die Seen von Nährstoffen zu entlasten, damit sich die trophischen Verhältnisse möglichst weitgehend dem ursprünglichen Zustand annähern
- eine hygienisch einwandfreie Wasserqualität zu erhalten bzw. zu schaffen und damit eine Erholungsnutzung sicherzustellen.
Abwassertechnische Maßnahmen standen zunächst im Vordergrund. Zum Schutz der Seen vor unmittelbaren Abwassereinleitungen hat sich die Ringkanalisation bestens bewährt. Dabei werden die Abwässer aus dem unmittelbaren Umfeld des Sees in Leitungen gesammelt, um den See herumgeführt und am Seeauslauf in einer biologischen Kläranlage gereinigt. Das gereinigte Abwasser wird anschließend in ein Fließgewässer - und nicht in den See - geleitet.
Insbesondere bei den vielen kleineren Seen reichen diese Maßnahmen aber nicht aus. Neben der Abwasserfernhaltung von Seen muss daher eine regional angepasste und gewässerschonende Landbewirtschaftung im Einzugsgebiet von Seen und deren Zuflüssen gefördert werden.
Außerdem werden von der bayerischen Wasserwirtschaft Gewässerpflegepläne erstellt. Sie sollen helfen, das Seeökosystem vor Beeinträchtigungen zu schützen, ökologisch wertvolle Uferbereiche zu sichern und die Nutzungen in naturverträgliche Bahnen zu lenken. So können bestimmte Uferbereiche für Erholungszwecke, andere als Schutzgebiete festgeschrieben werden.
Erfolge der Reinhaltung
1973 gab es mit dem Königssee nur noch einen oligotrophen großen See, die anderen waren bereits mesotroph, viele eutroph und über 30 % sogar polytroph.
Heute weist kein großer natürlicher See Bayerns mehr einen polytrophen Zustand auf. Während 1973 nur noch etwa ein Drittel der Seen zu den nährstoffärmeren (mesotroph oder oligotroph) gehörten, sind dies heute bereits wieder über die Hälfte.
Besonders durch den Bau von Anlagen zur Phosphatfällung an den Kläranlagen und die Einführung der phosphatarmen Waschmittel hat sich der Phosphorgehalt in einigen Seen um mehr als 60 % vermindert. Seen wie der Tegernsee, Starnberger See, Ammersee, Kochelsee und Wörthsee stehen an der Schwelle zur Oligotrophie. Manch eutropher See wird den mesotrophen Status wieder erreichen. Fast alle haben auch eine ausgezeichnete Badewasserqualität. Die Sanierung der großen bayerischen Seen ist daher als Erfolg zu bewerten.
Was ist noch zu tun?
Im abwassertechnischen Bereich gibt es nur noch geringe Möglichkeiten, um die Wasserqualität, zu sichern und weiter zu verbessern. Allerdings gibt es auch Seen, die trotz Abwassersanierung noch als eutroph gelten. Bei diesen Seen ist eine Besserung nur dann zu erwarten, wenn der diffuse Nährstoffeintrag aus der Fläche, überwiegend aus der Landwirtschaft, drastisch reduziert werden kann.
Eine besondere Zukunftsaufgabe gilt darüber hinaus dem Schutz und der Verbesserung der sehr empfindlichen und ökologisch bedeutsamen see- und landseitigen Uferbereiche. Diese sind von vielen Nutzungsinteressen betroffen, mit oft negativen Auswirkungen auf die Lebensbedingungen von Tieren und Pflanzen.
Weiterführende Informationen
Links zu anderen Angeboten
Dokumente zum Download/Bestellen

