Wasserbau - Gewässerausbau und Unterhaltung
Um auf der einen Seite die ökologische Funktionsfähigkeit der Flüsse und Bäche zu erhalten und zu verbessern und auf der anderen Seite die notwendigen Nutzungen der Gewässer zu ermöglichen, müssen an den Gewässern Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden. Der größte Teil der Ausbaumaßnahmen sind Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Dazu finden Sie Informationen im Kapitel Hochwasser.
Methoden beim Ausbau von Flüssen und Bächen
Aufgrund der uneingeschränkten Dynamik ihrer Fließgewässer waren die bayerischen Flusslandschaften in ihrer ursprünglichen Ausprägung strukturreich und von einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt besiedelt. Durch Nutzung und Ausbau ist viel von dieser ursprünglichen Vielfalt verloren gegangen.
Die Wiederherstellung eines natürlichen, vom Menschen unbeeinflussten Gewässers ist heute wegen der bestehenden Rahmenbedingungen nur selten möglich. Wasserbauliche Maßnahmen werden jedoch unter Beachtung ökologischer Gesichtspunkte durchgeführt mit dem Ziel, eine naturnahe, d.h. vom Menschen zwar beeinflusste, aber in seinem Erscheinungsbild ursprüngliche Gewässerlandschaft zu erhalten oder wiederherzustellen.
Dazu ist es notwendig, die Bauweisen auf den Gewässertyp abzustimmen. Bauweisen, die sich für einen Gebirgsbach eignen, sind für ein Flachlandgewässer absolut unpassend. Je besser Gewässer und Bauweise aufeinander abgestimmt ist, desto geringer ist der Pflege- und Unterhaltungsaufwand
Ufersicherung
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich der Steinsatz aufgrund verbesserter Transportmöglichkeiten und der Verfügbarkeit geeigneter Einbaugeräte (Hydraulikbagger) zur Ufersicherung durchgesetzt. Strukturreich eingebracht und über der Mittelwasserlinie mit Pflanzen kombiniert, hat er sich zur Sicherung erosionsgefährdeter Uferabschnitte bewährt
Steinwurf zur UfersicherungDoch nicht für alle Fluss- und Bachlandschaften kann der Steinsatz als gewässertypische Bauweise gelten. In vielen Fällen bieten sich andere ingenieurbiologische Bauweisen an, z. B. die Verbindung von Holz mit lebenden Baustoffen in unterschiedlichsten Kombinationen.
Ingenieurbiologische UfersicherungAlternativ zu direkten Ufersicherungen kann durch flache Unterwasserbermen und Leitwerke ein wirksamer Uferschutz erreicht und gleichzeitig das Standortangebot vergrößert werden.
Bei der Wahl der Ufersicherung sollte die Eigenart des jeweiligen Gewässers Berücksichtigung finden. Prinzipiell ist zu überprüfen, ob und in welchem Umfang eine Verbauung notwendig ist. Durch Grunderwerb kann auf Ufersicherungsmaßnahmen häufig ganz verzichtet werden, sodass langfristig Unterhaltungskosten eingespart werden.
Sohlstützung
Eintiefungen der Flusssohle muss entgegengewirkt werden, wenn dadurch die Ufer gefährdet sind und der Grundwasserstand in der Aue absinkt. Die früher üblichen und wasserbautechnisch bewährten Abstürze zur Stützung der Gewässersohle haben den Nachteil, dass sie die Durchgängigkeit für stromaufwärts wandernde Tierarten behindern. Außerdem kann ein im Oberwasser der Bauwerke erzeugter Aufstau die Fließgeschwindigkeit zum Nachteil der gewässertypischen Lebensgemeinschaften vermindern.
Eine Sohlrampe stützt die Gewässersohle und verhindert so deren EintiefungAn Flüssen und Bächen ersetzen deshalb dort, wo es möglich ist, Sohlrampen und Sohlschwellen an Stelle die Abstürzen. Die Wahl des Standortes und die naturnahe Einpassung des Bauwerkes in den Gewässerlauf erfordern große Erfahrung, damit das Bauwerk Hochwasser auch langfristig standhält und seine Aufgabe erfüllen kann.
Bewuchs
Die Vegetation am Gewässer und in der Aue erfüllt vielfältige Aufgaben. Gehölze prägen das Erscheinungsbild der Tallandschaft, binden das Gewässer in die Talaue ein und schützen es vor Beeinträchtigungen durch angrenzende Nutzungen. Sie beschatten das Gewässer und verringern dadurch den Pflanzenaufwuchs im Gewässer. So können Entkrautungsmaßnahmen bei kleineren Gewässern entfallen.
Daher kommt Gehölzpflanzungen eine besondere Bedeutung zu. Um Konflikte mit der angrenzenden Nutzung zu vermeiden, sollten beim Aufbau von Ufergehölzsäumen die Uferstreifen ausreichend breit bemessen sein.
Ufergehölze sind gestaltende Elemente und Schutz zugleichDie lenkenden Pflegemaßnahmen werden vom jeweiligen Entwicklungsziel und von der Abflussleistung des Gewässerabschnittes bestimmt. Bei eng bemessenem Abflussprofil muss die Entwicklung der Gehölze stärker gesteuert werden als bei großzügigen Ausbaulösungen.
Die standortgerechte Auswahl der Gehölze lehnt sich an den Bewuchs naturnaher Fluss- und Bachstrecken an. Dabei sollten möglichst Pflanzen verwendet werden, die direkt am jeweiligen Gewässer vorkommen. Die Pflanzungen müssen in der Anwuchsphase gepflegt und später gegebenenfalls ausgelichtet werden. Wertvolle Gehölzbestände sollten möglichst belassen werden, soweit nicht Verkehrssicherungspflicht oder andere Zwänge ihre Auslichtung notwendig machen.
Unterhaltung
Aufgrund veränderter Verhältnisse in der Landnutzung ist es heute möglich, "neue Wege" in der Gewässerpflege und damit in der Gewässerunterhaltung zu gehen.
Durch den Erwerb von Uferstreifen ist es möglich, die Flächen aus der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen und einer extensiven Bewirtschaftung bzw. der natürlichen Sukzession zu überlassen. Dadurch kann der Unterhaltungsaufwand wesentlich verringert und die Uferstreifen den ökologischen Erfordernissen besser angepasst werden.
Die Unterhaltung der Gewässer ist eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung und umfasst insbesondere
- das Gewässerbett für den Wasserabfluss zu erhalten, es zu räumen und zu reinigen,
- die Ufer und in angemessener Breite die Uferstreifen für den Wasserabfluss möglichst naturnah zu gestalten und zu bewirtschaften,
- die biologische Wirksamkeit des Gewässers zu erhalten und zu fördern,
- die Ufer zu schützen und
- die Gewässer in einem Zustand zu halten, der den wasserwirtschaftlichen Bedürfnissen und den öffentlichen und privaten Interessen entspricht.
Im Rahmen der Unterhaltung werden daher im Wesentlichen dieselben Arbeiten durchgeführt, wie bei einem ökologischen Ausbau - nur in geringerem Umfang.
Der Unterhaltungsaufwand ist davon abhängig, wie viel Raum für das Gewässer zur Verfügung steht. Knapp bemessenen Abflussprofile erfordern einen wesentlich höheren Unterhaltungsaufwand - insbesondere hinsichtlich der Bewuchspflege - als Gewässerstrecken mit großzugig bemessenen Uferstreifen.
Weiterführende Informationen
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Dokumente zum Download/Bestellen
- [EXT] Publikationsshop des Geschäftsbereichs: Gewässernachbarschaften Bayern - Gemeinsam für unsere kleinen Gewässer
- [INT] Gewässernachbarschaften Bayern - Eigendynamik und Unterhaltung (PDF - 0,5 MB)
- [INT] Gewässernachbarschaften Bayern - Gehölzpflege und Uferschutz (PDF - 0,6 MB)
- [INT] Autochtone Gehölze - Verwendung bei Pflanzmaßnahmen (PDF - 0,7 MB)

