Flussbau – damals und heute
Schon zu Zeiten der Römer gab es Schiffsverkehr auf Donau, Mai und Inn. Im frühen Mittelalter begann man, die Wasserkräfte in Triebwerken zu nutzen. Die bescheidenen technischen Hilfsmittel der damaligen Zeit erlaubten es jedoch nur, kleine Bäche und Flüsse zu nutzen. Um die nötige Fallhöhe zu erhalten, wurde das Flussbett oft von der Talsohle an den Talrand verlegt und dort Triebwerke gebaut.
Wasserbau ab dem 19. Jahrhundert
Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert musste und wollte man die Flüsse intensiver nutzen und baute sie deshalb aus oder veränderte ihren Lauf. Main, Donau und Inn wurden ausgebaut für die Schifffahrt, um Siedlungsflächen zu gewinnen und vor Überschwemmungen zu schützen. Außerdem wollte man die neu entstehenden Verkehrslinien (Bahn und Straße) sichern und Kulturland für die Landwirtschaft erschließen. Viele Flüsse und Bäche wurden im Zuge dieser Maßnahmen kanalisiert, Feuchtgebiete und Moore entwässert.
Flussbau in der Stadt
Alle wichtigen Städte Mitteleuropas liegen an Flüssen. Meist entstanden diese Siedlungen an den Kreuzungen von Handelswegen mit Flüssen. Dort mussten Brücken gebaut und gesichert werden. Durch die günstigen Bedingungen für Handel und Gewerbe in Verbindung mit Wasser konnten sich diese Siedlungen besonders gut entwickeln. Es entstanden spezielle Gewerbezweige, die auf Wasser angewiesen waren wie beispielsweise Schiffsbau, Fischerei, Mühlen und anderes mehr.
Die Regnitz prägt das Stadtbild von BambergIm 19. Jahrhundert beschleunigte sich die Stadtentwicklung. Immer mehr Flächen wurden bebaut. Um den notwendigen Platz zu gewinnen, zwängte man vielerorts die Flüsse in ein enges Bett. Wo vorher noch ein Fluss mit angrenzenden Überschwemmungsflächen war, gab es nun ein die Stadt durch-schneidendes Gerinne. Dem Zeitgeist entsprechend gestaltete man diese städtischen Flussabschnitte oft mit repräsentativen Uferpartien wie beispielsweise in München und Würzburg.
Der Widerspenstigen Zähmung - Wildbachverbauung im Gebirge
Einen Sonderfall des Flussbaus gibt es an den Gebirgsbächen im Alpenraum. Extreme Hochwasser in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert veranlassten die bayerische Regierung im Jahr 1902 die Wildbachverbauung staatlich zu organisieren. Es wurden zwei Sektionen für Wildbachverbauung gegründet - in Kempten und in Rosenheim, die sich ausschließlich mit dem Hochwasserschutz im Alpenraum befassten. An vielen Bächen im Gebirge kann man die aufwändigen Anlagen sehen, die zum Schutz von Siedlungen und Verkehrswegen im Alpenraum errichtet wurden.
Integraler Wildbachschutz gewinnt heute an Bedeutung: dabei wird nicht nur der Wildbach selbst betrachtet, sonder sein gesamtes Einzugsgebiet. Man erforscht die Ursachen für Hochwasser und Muren und grenzt Gefahrengebiete ein. So lassen sich die Ziele - Schutz von Menschen und Siedlungsgebieten und schonender Umgang mit der Natur - besser mit einander in Einklang bringen. Weitere Informationen dazu finden Sie im Kapitel "Alpine Naturgefahren".
Bauwerke an Fließgewässern
Um Flüsse und Bäche auszubauen, nutzten die Wasserbauer immer die technischen Möglichkeiten ihrer Zeit. An den großen Flüssen wurden andere Methoden angewandt, als an den kleineren Flüssen und Bächen. Die häufigsten Wasserbauwerke an den Gewässern sind Querbauwerke:
Wehre
Wehre bewirken den Aufstau eines Gewässers und sind in der Regel mit einer Wasserentnahme verbunden. Dabei wird oft ein Großteil des Wassers in einen Kanal ausgeleitet und einem Kraftwerk oder einer Sondernutzung beispielsweise einer Fischteichanlage zugeführt. Weiter flussabwärts - manchmal erst nach Kilometern - gelangt das Wasser wieder in das eigentliche Flussbett zurück. Dazwischen ist der Abfluss im Flussbett, der so genannten Ausleitungsstrecke stark reduziert.
Wehre sind bei Normal- und Niedrigwasser für die Gewässerorganismen nahezu unüberwindbare Hindernisse, falls nicht ein ausreichender Abfluss entweder durch ein teilweise gezogenes Schütz oder über eine andere Vorrichtung, z.B. eine Fischtreppe in das Flussbett abgegeben wird. Bei Hochwasser können Gewässerorganismen auch über das Wehr gespült werden.
Wehr mit Wasserausleitung an der Elsava im Regierungsbezirk UnterfrankenAbstürze
Abstürze sind alte, kulturbautechnische Lösungen zur Überbrückung von Gefällesprüngen in der Flusssohle bzw. zur Reduzierung eines starken Sohlgefälles. Sie wurden häufig bei begradigten Flussläufen angewandt, um das durch die Laufverkürzung größer gewordene Längsgefälle auszugleichen.
Die biologische Durchgängigkeit von Abstürzen hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Für die Passierbarkeit von oben nach unten ist vor allem die Anbindung der Gewässersohle an die Absturzkante von Bedeutung sowie eine ausreichende Wassertiefe an der Kante. Die Passierbarkeit von unten nach oben wird vor allem vom Höhenunterschied bestimmt. Manche Klein-Fischarten können schon Höhenunterschiede von 30 cm nicht mehr überwinden.
Absturz an einem GewässerStaustufen
Eine Staustufe, wie sie an vielen größeren Flüssen in Bayern zur Nutzung der Wasserkraft gebaut wurde, stellt für die meisten Lebewesen eines Flusses eine nahezu unüberwindliche Barriere dar. Von unten nach oben ist ein Aufstieg über die Turbine völlig unmöglich. In der Gegenrichtung werden größere Fische oder Krebse am Kraftwerksrechen zurückgehalten, kleinere Tiere gelangen in die Turbine und werden durch das Schaufelrad oder den hohen Druck oft erheblich verletzt oder getötet.
Donaustaustufe Jochenstein (bei Passau) mit Kraftwerk im Regierungsbezirk Niederbayern


