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Energieressource Wasserkraft

Nutzungen und Einflüsse:

Die Nutzung der Wasserkraft als saubere, emissionsfreie Energie hat in Bayern eine lange Tradition. Begünstigt durch gute Gefälleverhältnisse und meist ausreichende Wasserführung in den Bächen und Flüssen wurden bis 1850 rund 6.400 einfache Anlagen in Bayern errichtet.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts setzte in Südbayern der systematische Ausbau der Wasserkraft an Iller, Lech Isar, Inn und Alz ein. Zunächst entstanden Ausleitungskraftwerke, bei denen Wasser über Wehranlagen in Kanäle und von dort zu den Kraftwerksanlagen geleitet wurde. Das Kanalkraftwerk Jettenbach/Töging am Inn zählte bei seiner Inbetriebnahme 1928 zu den größten Wasserkraftanlagen Europas. Drei Jahre zuvor wurde das Walchenseekraftwerk fertig gestellt, das Wasser über einen Höhenunterschied von cirka 200 Meter vom Walchensee in den Kochelsee ableitet.

Luftbild von einem Isarwehr bei Icking. Ein Teil der Isar läuft in einem natürlichen Flussbett weiter, ein Teil wird als Kanal weitergeleitet. + Isarwehr bei Icking mit Flusslauf und Kanal

Mit der Entwicklung unterschiedlicher Turbinentypen um die Jahrhundertwende und der durch Oskar von Miller angeregten Elektrifizierung Bayerns stieg die Anzahl der Wasserkraftwerke bis 1926 auf rund 11.900 Anlagen. Bis Mitte der zwanziger Jahre konnte somit der bayerische Strombedarf fast ausschließlich aus Wasserkraft gedeckt werden.

Nach 1930 ermöglichte es die fortgeschrittene Technik, Wasserkraftanlagen auch in großen Flüssen zu errichten. Das Konzept der Kraftwerksketten mit mehreren hintereinander folgenden Staustufen setzte sich vielerorts durch. Nahezu alle großen Zuflüsse zur Donau wie auch Teile der Donau selbst und des Mains werden heute zur Energieerzeugung genutzt.

Ab 1960 begann man mit dem Bau von so genannten Stützkraftstufen. Als Folge der Flussregulierung um die Jahrhundertwende, der Hochwasserschutzbauten und des Geschiebeentzugs durch Speicher und Staustufen hatte sich beispielsweise die Isar tief in ihr eigenes Flussbett eingegraben. Sinkende Wasser- und Grundwasserstände waren die Folge. Bauwerke am Fluss waren gefährdet, das ökologische Gleichgewicht der Flussaue war gestört. Die Stabilisierung der Sohle wurde erforderlich. Diese wurde mit einer Nutzung der Wasserkraft kombiniert.

Luftaufnahme der Stützkraftstufe Ettling an der Isar. + Stützkraftstufe Ettling im Lkr. Dingolfing-Landau

Die günstigere Kostenstruktur für Strom aus Kohle-, Öl- und Kernkraftwerken verursachte ab den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts ein drastisches Sterben bei den kleinen Wasserkraftwerken. Heute existieren in Bayern noch etwa 4.250 Wasserkraftanlagen mit einer installierten Gesamtleistung von rd. 2.850 MW.

Karte von Bayern mit allen, an Flüssen gelegenen Kraftanlagen (als violette Punkte eingezeichnet). + Wasserkraftanlagen in Bayern

Stromerzeugung aus Wasserkraft

Die Wasserkraft ist auch heute für die Bayerische Staatsregierung ein wesentlicher, unverzichtbarer Faktor der Energieversorgung. Nach der Kernenergie steuert sie als zweitgrößter Energieträger einen Anteil von rund 16 % zur öffentlichen Stromversorgung in Bayern bei. Damit liegt der Anteil der Wasserkraft in Bayern etwa viermal höher als im Bundesdurchschnitt.

Tabelle Stromerzeugung in Bayern und Deutschland nach eingesetzten Energieträgern in TWh
Bayern in 2002 Deutschland in 2004
TWh % TWh %
Kernenergie 51,8 66,2 167,0 27,5
Wasserkraft 14,9 19,0 27,0 4,5
Steinkohle (incl. Müll) 4,4 5,6 138,0 22,8
Braunkohle 2,1 2,7 158,5 26,1
Erdgas 3,1 3,9 62,0 10,2
Heizöl 0,8 1,0 9,5 1,6
Wind (incl. PV) 0,2 0,2 25,0 4,1
Sonstige 1,1 1,4 19,5 3,2
Gesamt 78,3 100,0 606,5 100,0

Quellen: BMWi, VDEW, BDI; LfSTAD, LfU

Unter den regenerativen Energien nimmt die Wasserkraft in Bayern eine Sonderstellung ein. Knapp 8% des bayerischen Primärenergieverbrauchs stammt aus erneuerbaren Energien ( aus Wasserkraft, nachwachsenden Rohstoffen, Abfällen und Sonstiges).
Hiervon stellte die Wasserkraft im Jahr 2002 mit 36% mehr als ein Drittel.
Quelle: Energiebericht Bayern 2002 des Wirtschaftsministeriums (berechnet nach Wirkungsgradmethode)

Wasserkraft und Ökologie im Widerspruch

Leider hat die Nutzung der Wasserkraft nicht nur Vorteile. Wird das Wasser über Kanäle ausgeleitet und dem Fluss entzogen, so ist häufig der verbleibende Wasserabfluss im Gewässer - das so genannte Restwasser - sehr gering. Der Wassermangel und die Flussverbauung beeinträchtigen den Fließcharakter und damit die Lebensräume der dort heimischen Arten. Die Staubereiche oberhalb des Wehres können sich negativ auf Wasserqualität und die Selbstreinigung des Gewässers auswirken. Zudem sinkt häufig entlang der Ausleitungsstrecke der Grundwasserspiegel in der angrenzenden Aue.

Darüber hinaus kann das Wehr für die im Wasser lebenden Organismen ein unüberwindliches Hindernis darstellen. Es unterbricht - wie der Fachmann sagt - die Durchgängigkeit des Gewässers. Für die Wanderung mit der Strömung flussabwärts bedeuten die Turbinen der Wasserkraftwerke ein besonderes Problem. Ihre Schluckströmung und die mit hoher Geschwindigkeit rotierenden Propeller sind eine oft tödliche Falle für die Fische.

Wie man mit diesen Problemen umgeht, finden Sie im Kapitel Gewässerentwicklung und Wasserbau im nächsten (internen) Link.

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