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Staatliche Wasserspeicher sorgen für unser Wohl

Nutzungen und Einflüsse:

Bayerns staatliche Wasserspeicher dienen dem Wohl der Allgemeinheit. Sie schützen die Bevölkerung vor Hochwasser und verbessern bei Trockenheit durch die so genannte Niedrigwasseraufhöhung den Abfluss von Flüssen und Bächen. In einigen Grundwassermangelgebieten sichern sie die Trinkwasserversorgung und ermöglichen - in begrenztem Rahmen - auch die Energiegewinnung.

Derzeit gibt es in Bayern 23 Stauseen mit einem Gesamtstauraum von 470 Millionen Kubikmetern und 50 Quadratkilometern Fläche bei Vollstau. Sie werden nach ihrer Wirkungsweise in Talsperren und Rückhaltebecken eingeteilt:

Ausgangspunkt für den planmäßigen Bau war ein Programm der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern. Für die fachliche Beratung und den laufenden Betrieb ist seit 1993 das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit zuständig. Zwei weitere Stauseen - der Drachensee und der Goldbergsee sind derzeit noch in Bau.

Wasserspeicher und ihre Funktion

Bei den Wasserspeichern handelt es sich um technische Anlagen, die einen genau definierten wasserwirtschaftlichen Zweck erfüllen. Mit Bau und Betrieb dieser Anlagen reagiert man auf spezielle Problemlagen in der jeweiligen Region.

Damit es nicht ausufert - Hochwasserschutz durch Zwischenspeicherung

Hochwasser sind natürliche Phänomene. Ausgedehnte mehrtägige Regenfälle, zum Teil verbunden mit Schneeschmelze, lassen den Wasserstand in Flüssen und Bächen ansteigen. Die vorhandenen Siedlungen und Verkehrswege in den Talauen müssen dann vor Überflutungen geschützt werden.

Zwar stellt der Bau von Talsperren und Rückhaltebecken einen erheblichen Eingriff in Natur und Landschaft dar, vielfach kann aber mit diesem örtlich begrenzten Eingriff der Gewässerausbau auf langen Gewässerabschnitten flussabwärts geringer ausfallen oder sogar ganz vermieden werden. Im Unterlauf der Flüsse bleiben dann die natürliche Gestalt der Uferzonen und die Gewässerökologie erhalten - bei gleichzeitigem Hochwasserschutz für Siedlungen und Verkehrswege.

Luftaufnahmen des Vilstalsees bei schönem Wetter. + Der Vilstalsee in Niederbayern

Wasserspeicher halten bei Hochwasser kurzfristig große Mengen Wasser zurück und geben es später über einen längeren Zeitraum hinweg kontrolliert wieder ab. Über die Betriebseinrichtungen werden Abfluss und Wasserstand der Stauseen gesteuert.

Wassernachschub für die Flüsse - Niedrigwasseraufhöhung

In regenarmen Zeiten sinkt der Wasserspiegel in Flüssen und Bächen, und die abfließende Wassermenge verringert sich. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht ist so ein Zustand dann problematisch, wenn der natürliche Abfluss so gering ist, dass bestehende Gewässernutzungen wie beispielsweise Abwassereinleitungen oder Kühlwasserentnahmen das Gewässer so stark belasten, dass es zu Schäden im Ökosystem kommt.

Luftaufnahmen des Rottachsees bei schönem Wetter. + Als ob er schon immer da gewesen wäre: Der Rottachsee am Fuße der Allgäuer Alpen

Durch eine gesteuerte Abgabe von zurückgehaltenem Wasser aus Talsperren wird in solchen Situationen eine Erhöhung des Gewässerabflusses erreicht. Damit wird sichergestellt, dass

Der reine Genuss - Trinkwasser aus Talsperren

Bayern verfügt über große Grundwasservorkommen, die bevorzugt zur Trinkwasserversorgung herangezogen werden. Das entspricht der bayerischen Versorgungsphilosophie - Grundwasser vor Talsperrenwasser vor Flusswasser. Der größte Teil der bayerischen Bevölkerung kann mit Hilfe der ergiebigen Grundwasservorkommen mit Trinkwasser hoher Qualität versorgt werden.

Die Regionen Bayerischer Wald und Oberfranken gelten jedoch innerhalb Bayerns als Grundwassermangelgebiete. Aufgrund ungünstiger hydrogeologischer Umstände wird der Niederschlag nur in geringem Umfang im Untergrund zurückgehalten. Um die Trinkwasserversorgung auch in diesen Regionen langfristig zu sichern, wurden dort zwei Trinkwassertalsperren errichtet - die Trinkwassertalsperre Frauenau und die Trinkwassertalsperre Mauthaus.

Bild von der Trinkwassertalsperre (TWT) Frauenau im Bayerischen Wald. Blick auf den Damm der Talsperre. + Um Trinkwasser bester Qualität erfassen zu können, liegt die TWT Frauenau inmitten eines stark bewaldeten Gebietes

Umweltfreundlich und immer wieder neu - Energie aus Wasserkraft

Wasserkraft ist eine regenerative Energie - sie wird ständig neu von der Natur für uns bereitgestellt. Der Freistaat Bayern hat mit seinen reichen Wasservorkommen seit jeher besonderen Wert auf die Nutzung dieser Energieform gelegt.

Staatliche Wasserspeicher dienen in erster Linie wasserwirtschaftlichen und nicht energiewirtschaftlichen Zielsetzungen. Dort jedoch, wo ökologische und ökonomische Belange es erlauben, werden die Speicher auch zur Energieerzeugung genutzt. Etwa die Hälfte der staatliche Talsperren und Rückhaltebecken ist deshalb mit Kraftwerksanlagen ausgestattet, die den Landeskraftwerken - einem Staatsbetrieb mit kaufmännischer Wirtschaftsführung - unterstehen.

Das in den Speicherbecken gestaute Wasser wird über Turbinen abgeleitet. Gekoppelt mit Generatoren zur Stromerzeugung liefern diese jährlich circa 37 Millionen Kilowattstunden elektrischer Energie. Das entspricht dem jährlichen Strombedarf einer Stadt mit 12.000 Einwohnern.

Freizeitmöglichkeiten an den Wasserspeichern

Die Bayerische Verfassung garantiert das Recht auf Erholung in der Natur. Auch die Stauseen der staatlichen Wasserspeicher sind daher für die Allgemeinheit zugänglich. Dort, wo dies mit den wasserwirtschaftlichen Zielsetzungen vereinbar ist, wurde der Gesichtspunkt Freizeit und Erholung bereits in der Planungsphase berücksichtigt.

Luftbild vom Altmühlsee bei Gunzenhausen. + Der Altmühlsee hat sich zu einem attraktiven Naherholungsziel entwickelt

Die Wasserspeicher sind deshalb bei Bootfahrern, Surfern, Anglern und Badegästen beliebte Ziele. Campingplätze in Seenähe sind gute Ausgangspunkte für Wanderungen, Naturbeobachtung und sportliche Aktivitäten. Die Wasserqualität wird wie an allen anderen bayerischen Badegewässern regelmäßig überprüft. Lediglich an Trinkwassertalsperren ist aus verständlichen hygienischen Gründen Bootssport und Badebetrieb ausgeschlossen. Aber auch diese Talsperren bieten Rundwege, die zu Fuß oder mit dem Rad erkundet werden können und sind daher beliebte Naherholungsziele.

Wasserspeicher - ein Teil von Natur und Landschaft

Beim Bau und Betrieb von Wasserspeichern lassen sich nachteilige Auswirkungen auf ökologische Belange nicht vermeiden.

Noch in den 50er Jahren hat unsere Gesellschaft andere Prioritäten gesetzt als heute. Zugunsten von Hochwasserschutzmaßnahmen beispielsweise nahm man den Verlust von Auwäldern und natürlichen Gewässerläufen klaglos in Kauf. Die Erhaltung von wertvollen Natur- und Kulturlandschaften hatte untergeordnete Bedeutung.

Mittlerweile sind landschaftsgestalterische und ökologische Gesichtspunkte wesentliche und selbstverständliche Bestandteile aller Planungen. Durch gezielte Gestaltung wird eine Vielzahl naturnaher, abwechslungsreicher Gewässer- und Uferbereiche entwickelt, die die Ansiedelung unterschiedlichster Tier- und Pflanzengesellschaften ermöglicht. Dazu gehören aquatische Bereiche mit wechselnden Wassertiefen genauso, wie terrestrische Gebiete mit unterschiedlichsten Standortbedingungen - von der Feuchtfläche bis hin zu extremen Trockenstandorten.

Durch die Verzahnung einer Vielzahl dieser Einzelmaßnahmen in einer ökologischen Gesamtplanung entstanden an den Wasserspeichern neue, reich gegliederte Lebensräume für Flora und Fauna. Mittlerweile hat die Tier- und Pflanzenwelt diese von Menschenhand geschaffenen Naturlandschaften "aus zweiter Hand" in Besitz genommen.

Luftbild vom Kleinen Brombachsee. Eine kleine Halbinsel ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. + Naturschutzgebiet Halbinsel im Kleinen Brombachsee, Größe ca. 45 ha

Durch die gezielte Trennung der Bereiche für die Freizeitnutzung von Bereichen die der Natur vorbehalten sind, sind viele staatliche Wasserspeicher heute nicht nur beliebte Ziele für Freizeit und Erholung sondern auch Rückzugsgebiete vieler seltener Tier- und Pflanzenarten und tragen zur Artenvielfalt der Region bei.

Die staatlichen Wasserspeicher mit ihrer wassersirtschaftlichen Funktion im Überblick

Die folgende Karte zeigt die Wasserspeicher in Bayern mit ihren jeweiligen Funktionen:

Bild einer Bayernkarte, in der die Lage alle Wasserspeicher eingezeichnet ist. + Staatliche Talsperren und Rückhaltebecken in Bayern
Überblick der bayerischen Wasserspeicher mit einigen Daten
Speichername
Gestaute(s) Gewässer
Landkreis
Wasserwirtschaftliche
Funktion
Stauraum
(Gesamt)
[Mio m³]
Wasserfläche
(Normalstau)
[ha]
In Betrieb
seit
[Jahr]
Sylvensteinspeicher
Isar, Dürrach, Walchen
Bad Tölz - Wolfratshausen
Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Erholung, Wasserkraft 104,00 392 1959
Ellertshäuser See
Sauerquellenbach
Schweinfurt
Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Erholung 2,28 310+2 1960
Grüntensee
Wertach
Oberallgäu
Hochwasserschutz 14,77 176 1962
Ofenwaldsperre
Winkler Starzlach
Oberallgäu
Hochwasserschutz 0,30 0 1961
Mertsee
Rott
Rottal-Inn
Hochwasserschutz, Erholung 0,95 4,5 1961
Perlsee
Schwarzach
Cham
Hochwasserschutz, Erholung, Wasserkraft 4,30 17 1962
Windachspeicher
Windach
Landsberg a. Lech
Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Erholung, Wasserkraft 3,03 15 1964
Liebensteinspeicher
Tirschenreuther Waldnaab
Tirschenreuth
Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Erholung, Wasserkraft 5,30 16 1968
Surspeicher
Sur
Berchtesgadener Land
Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Wasserkraft 5,73 6,5 1968
Silbersee
Bayerische Schwarzach
Cham
Hochwasserschutz, Erholung, Wasserkraft 5,66 55 1968
TWT Mauthaus
Tschirner und Nordhalbener Ködel
Kronach
Trinkwasser, Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Wasserkraft 20,53 87 1975
Rottauensee
Rott
Rottal-Inn
Hochwasserschutz, Erholung, Wasserkraft 13,90 54 1972
Vilstalsee
Vils
Dingolfing-Landau
Hochwasserschutz, Erholung 10,60 98 1976
Eixendorfer See
Schwarzach
Schwandorf
Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Erholung, Wasserkraft 21,00 100 1975
Förmitztalsperre
Förmitz
Hof
Niedrigwasseraufhöhung, Hochwasserschutz, Erholung, Wasserkraft 10,85 102+8 1978
TWT Frauenau
Kleiner Regen, Hirschbach
Regen
Trinkwasser, Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Wasserkraft 21,70 93 1984
Froschgrundsee
Itz, Effelder
Coburg
Hochwasserschutz, Erholung 7,00 20 1986
Rottachsee
Rottach, Rotwässerle
Oberallgäu
Niedrigwasseraufhöhung, Hochwasserschutz, Erholung, Wasserkraft 28,45 266+16 1992
Fränkisches Seenland (Überleitungssystem)
Altmühlsee
Altmühl, Nesselbach
Weißenburg-Gunzenhausen
Niedrigwasseraufhöhung, Hochwasserschutz 13,90 451 1985
Igelsbachsee
Igelsbach
Roth
Niedrigwasseraufhöhung, Hochwasserschutz 5,30 87 1985
Kleiner Brombachsee
Altmühl, Brombach
Weißenburg-Gunzenhausen
Niedrigwasseraufhöhung, Hochwasserschutz, Erholung 13,95 248 1986
Rothsee
Kleine Roth
Roth
Niedrigwasseraufhöhung, Erholung, Wasserkraft 11,70 160+53 1995
Großer Brombachsee
Altmühl, Brombach, Igelsbach
Weißenburg-Gunzenhausen
Niedrigwasseraufhöhung, Hochwasserschutz, Erholung, Wasserkraft 144,60 871 2000
Drachensee
Chamb
Cham
Hochwasserschutz, Erholung, Wasserkraft, Naturschutz 6,3 88 2009
Wasserspeicher in Bau
Goldbergsee
Sulzbach, Lauterüberleitung
Stadt Coburg
Hochwasserschutz, Erholung -- -- In Bau

Auflistung der Wasserspeicher chronologisch nach Baubeginn. Kostenangaben nach Schlussbericht der Hauptbaumaßnahmen ohne Ergänzungsmaßnahmen

Weiterführende Informationen

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