Altmühl

Gütesiegel "Nationaler Geotop"

Die Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien hat 14 ausgesuchte Geotope und Regionen mit besonderen Geotopen in Bayern das Gütesiegel "Nationaler Geotop" nach 2006 zum zweiten Mal verliehen, das Altmühltal gehört zu diesen ausgezeichneten Geotopen.

Das Quellgebiet der Altmühl liegt auf der Frankenhöhe knapp 500 m ü. NN nahe der Stadt Rothenburg ob der Tauber. Bis zur Mündung in die Donau bei Kelheim auf 338 m ü. NN ist sie rund 220 km lang. Bei diesen geringen Höhenunterschied ist es kein Wunder, dass sie in einem Kanuwanderführer als Bayerns langsamster Fluss bezeichnet wird. Auf den letzten 30 km, welche im Landkreis Kelheim liegen, wurde sie kürzlich noch langsamer, kehrt zeitweise ihre Fließrichtung sogar um und fließt von der Donau aus aufwärts.

Schleuse 4 mit Altmühl Bild vergrössern Schleuse 4 mit Altmühl

Ursache für dieses Phänomen ist der Main-Donau-Kanal. Zwei große Wehre bei Kelheim/Gronsdorf und bei Riedenburg/Haidhof mit Turbinen und Schleusen ausgerüstet, stauen die Altmühl auf. Das ehemalige Flussbett wurde in einen durchschnittlich 55 m breiten Kanal umgestaltet. Dabei gelang es durch die Einbeziehung alter Altmühlschlingen und künstlich geschaffener Wasserflächen die strengen geometrischen Formen zumindest teilweise aufzubrechen und ökologische Schäden so gut wie möglich auszugleichen.

Die Ausbauleistung der Turbinen beträgt 1 300 KW in Kelheim und 1 800 KW in Riedenburg. Die mittlere Leistung liegt entsprechend dem Wasserangebot der Altmühl und der Betriebsweise um mehr als 50 % darunter.

Die Turbinen können nämlich als Pumpen eingesetzt werden und es werden zeitweise bis zu 21 m3/s Wasser von der Donau hinauf bis zum künstlichen Rothsee gepumpt. Von dort läuft das Wasser über die Roth, Rednitz und Regnitz zum Main. In Trockenzeiten kommt dies deren Wasserqualität und der Nutzbarkeit zu Gute.

Mit rund 28 km2 Einzugsgebiet und einer Mittelwasserführung von rund 25 m3/s ist die Altmühl einer der größeren Zuflüsse der Bayerischen Donau. Eine hydrologische Besonderheit ist, dass auf den letzten 30 km bis auf die Schambach kein einziges Fließgewässer oberirdisch die Altmühl erreicht. Das Niederschlagswasser versickert nämlich in der verkarsteten Oberfläche des Hinterlandes und strömt aus starken Quellen am Talgrund der Altmühl zu. Besonders zu nennen sind hierbei die Quelle in Prunn, eine der Größten in Bayern, der Blautopf bei der Weihermühle nahe Essing oder die Quellen in Altmühlmünster, Deising und Gundlfing.

Hochwassergefahren an der Altmühl gibt es im Landkreis Kelheim nicht mehr. Als Folge des Ausbaus zum Kanal kann der Wasserspiegel selbst bei größten Hochwässer nur noch um wenig mehr als 10 cm steigen. Unterhalb der Schleuse Kelheim wird der Wasserspiegel allerdings über den Rückstau von der Donau bestimmt.

Trotz aller landschaftlicher Veränderungen, die Meinungen darüber sind geteilt, ist das Altmühltal unbestritten eines der schönsten Täler in Bayern. Bis zu 200 m hoch begleiten steile Berghänge den Talgrund. Regelmäßig überragen helle Kalkfelsen die dichten Laubwälder. An markanten Stellen überragen Burgen das Tal und kleine Dörfer und Städten schmiegen sich in romantischer Enge an die steilen Talränder.

Geschaffen wurde dieses Durchbruchstal von einer Urdonau, die bei Neuburg an der Donau das heutige Talbecken verließ und über das Wellheimer Trockental und das heutige Altmühltal abfloss. Erst vor ca. 200 000 Jahren änderte die Donau ihren Lauf und die Altmühl erhielt ihr eigenes Flusstal, das für sie eigentlich zu groß ist. Mit ein bisschen Phantasie kann der heutige Betrachter von einem der zahlreichen Aussichtspunkte über dem Tal sich mit dem MD - Kanal wieder das Bild dieser Urdonau zurückholen, allerdings angepasst an das heutige Erscheinungsbild der Donau in Bayern.